E04 – die neue Autobahn kommt! Aber wohin?

Wer ein­mal mit dem Auto zwi­schen Colom­bo und Kan­dy unter­wegs war, wird sagen: nie wie­der!

Es beginnt bereits in Colom­bo, wenn man sich durch das Nadel­öhr auf der Vic­to­ria Bridge über den Kela­ni River quält. Wer Glück hat­te, stand zuvor nicht lan­ge im Stau auf der kilo­me­ter­lan­gen Base­li­ne Road, die direkt auf die Vic­to­ria Bridge zuführt und jetzt auch die Ein­fahrt auf den neu­en Colom­bo-Kat­una­ya­ke-High­way dar­stellt. Wer jetzt lie­ber zum Flug­ha­fen fah­ren will oder muss, darf sich über 25 Kilo­me­ter freie Fahrt mit max. 100 km/h  freu­en, aber wir wol­len ja nach Kan­dy!

Die Base­li­ne Road ist zwar größ­ten­teils 10-spu­rig aus­ge­baut, aber stets ver­stopft! An ihr führt kein Weg vor­bei; auch alt­be­kann­te Schleich­we­ge“ sind inzwi­schen chro­nisch ver­stopft – aber was will man noch mehr schlei­chen“? An jeder Ampel ver­sucht jeder Ver­kehrs­teil­neh­mer, der Ers­te“ zu sein. Wenn sich dann bei Grün“ das gro­ße Knäu­el ent­kno­tet hat und die lang­sams­ten – näm­lich die Three­whee­ler – das Tem­po für alle vor­ge­ben und sich die Blech­la­wi­ne schwer­fäl­lig zur nächs­ten roten Ampel bewegt, kom­men spä­tes­tens Zwei­fel dar­über auf, ob die­se Rei­se wirk­lich not­wen­dig ist. Auch der vor eini­gen Jah­ren fer­tig­ge­stell­te Fly­o­ver über die Bahn­glei­se der Main Line hat den Ver­kehr auf der Base­li­ne Road wenig ent­spannt.

Für die rund 120 Kilo­me­ter von Colom­bo bis Kan­dy quält man sich durch zähen Ver­kehr mit etwas Glück in nur“ vier Stun­den ans Ziel. Die A1 ist eine nor­ma­le zwei­spu­ri­ge Land­stra­ße, die in den letz­ten Jah­ren immer mehr zuwuchs. Heu­te gibt es ent­lang der Stre­cke immer mehr Geschäf­te, kaum noch unver­stell­te Bli­cke in die Natur und der kräf­tig zuneh­men­de Ver­kehr erfor­dert höchs­te Auf­merk­sam­keit.

Ähn­lich auf­re­gend kann eine Fahrt mit dem Bus sein. Durch ihre schie­re Wucht und Grö­ße und unter­stützt durch Dau­er­hu­pen, bah­nen sich die Bus­se ihren Weg durch den Ver­kehr. Übli­cher­wei­se zie­hen die Sri­lan­ker im Bus die Gar­di­nen zu und ver­schla­fen die Kamikaze“-Fahrt.

Wer gemüt­lich zwi­schen den bei­den Städ­ten rei­sen möch­te, kann die Eisen­bahn neh­men: je nach Zug­typ ist die Stre­cke in knapp drei Stun­den bewäl­tigt, die beson­ders im Berg­land wirk­lich atem­be­rau­ben­de Aus­sich­ten bie­tet. Die Fahrt in uralten  Wag­gons und die anti­quier­te Bahn­tech­nik lässt die Her­zen von Eisen­bahn-Nost­al­gi­kern sicher höher schla­gen. Enger Kon­takt zu den freund­li­chen Mit­rei­sen­den ein­ge­schlos­sen.

Seit vielen Jahren ist der Bau einer Autobahn ins Hochland im Gespräch.

2002 gab es einen ers­ten viel­ver­spre­chen­den Ansatz der dama­li­gen Regie­rung unter Füh­rung der United Natio­nal Par­tyUNP, mit Hil­fe Malay­si­as ein sol­ches Pro­jekt zu ver­wirk­li­chen. Wäh­rend der Pro­jekt­vor­be­rei­tun­gen gab es Wah­len, die die sei­ner­zeit regie­ren­de UNP ver­lor. Damit wur­de auch das Auto­bahn-Pro­jekt zunächst been­det.

Plakat mit dem geplanten Verlauf der Autobahn

Im Novem­ber 2013 ver­kün­de­te der sri­lan­ki­sche Minis­ter for High­ways, also tat­säch­lich der Auto­bahn­mi­nis­ter“, der nur für die Haupt­stra­ßen und Auto­bah­nen in Sri Lan­ka zustän­dig ist, dass mit dem Bau des Nort­hern Express­ways im Janu­ar 2015 begon­nen wer­den soll­te. Am 14. Okto­ber 2014 leg­te der dama­li­ge Prä­si­dent Mahin­da Raja­pak­se einen Grund­stein am geplan­ten Auto­bahn­zu­brin­ger bei Sen­ka­da­ga­la.

2014 ging man von Kos­ten in Höhe von 200 Mil­li­ar­den Rupees aus, was ca. 1,2 Mrd. Euro ent­sprach. Der Bau soll­te 2018 voll­endet sein. Weder die geschätz­ten Kos­ten noch der Ter­min der Voll­endung kön­nen der Rea­li­tät stand­hal­ten – mit dem Bau ist bis heu­te noch nicht sicht­bar begon­nen wor­den.

Inzwi­schen gibt es einen neu­en Prä­si­den­ten und die Pla­nun­gen für die geplan­te Auto­bahn, die nun die Bezeich­nung Cen­tral Express­way trägt, wur­den erneut geän­dert. Auf der Land­stra­ße A10, die bei Gala­ge­dara vor­bei­führt, gab es bis Ende letz­ten Jah­res noch einen gro­ßen Gedenk­stein, der an den Beginn des Bau­es der Auto­bahn in der Nähe von Gala­ge­dara erin­ner­te. Dort wird es nach neu­es­ter Pla­nung aber kei­nen Zubrin­ger oder gar eine Anschluss­stel­le zu der Auto­bahn geben.

Wo aber verläuft die Autobahn?

Da es im Bereich unse­res Gemein­de­ge­biets kei­ne Land­käu­fe der Regie­rung gab, konn­ten wir davon aus­ge­hen, dass die Auto­bahn nicht durch unser Reis­feld vor der Tür ent­lang füh­ren wird – Beru­hi­gend!

Tat­säch­lich gibt es kei­ne öffent­lich zugäng­li­chen aktu­el­len Kar­ten oder Plä­ne, die den Ver­lauf der geplan­ten Auto­bahn dar­stel­len. Selbst auf den Web­sites der feder­füh­ren­den sri­lan­ki­schen Minis­te­ri­en sind geplan­te Ver­läu­fe nur sehr grob dar­ge­stellt: die ein­ge­zeich­ne­ten Lini­en der geplan­ten Stre­cken­füh­rung sind so dick, dass gut und ger­ne ein Kor­ri­dor von 20 km für die Stre­cken­füh­rung in Fra­ge käme. Auf der Web­site der Road Deve­lop­ment Aut­ho­ri­tyRDA, also der Stra­ßen­ent­wick­lungs­be­hör­de, ist die Sei­te mit den Auto­bahn­pla­nun­gen ver­schwun­den“. Im Netz konn­te ich an ande­rer Stel­le eine Kar­te fin­den, die den Stand der Pla­nung von 2013 dar­stellt.

Was wir wis­sen: im ca. 10 km ent­fern­ten Nach­bar­ort Hat­ha­ra­li­y­ad­da ist eine Anschluss­stel­le geplant. Eben­so im 20 km ent­fern­ten Ram­buk­ka­na. Das vor­läu­fi­ge Ende des Auto­bahn­ab­schnitts wird in Hedeni­ya auf die A10 tref­fen – das ist ca. 10 km süd­lich von Nika­ten­ne.

Der Bau des neu­en Express­ways soll in zwei Abschnit­ten erfol­gen:

Abschnitt 1 führt von von Kada­wa­tha nach Ambe­pus­sa über eine Län­ge von 48,2 km als vier­spu­ri­ge Auto­bahn mit Opti­on für zwei wei­te­re Spu­ren. Anschluss­stel­len sol­len in Kada­wa­tha, Gam­paha, Bala­bo­wa und Meeri­ga­ma ent­ste­hen. Der Stre­cken­ab­schnitt wird 50 Brü­cken und 30 Unter­füh­run­gen haben. Die anfäng­lich geschätz­ten Kos­ten stie­gen von 70 Mrd. Rupees auf aktu­ell geschätz­te 130 Mrd. Rupees.

Bau­ab­schnitt 2 führt von Ambe­pus­sa nach Katu­gas­to­ta nörd­lich von Kan­dy, soll eben­falls als vier­spu­ri­ge Auto­bahn über 50,7 km geführt wer­den. Es wird 30 Brü­cken und fünf Unter­füh­run­gen gebe. Anschluss­stel­len sind in Dewa­le­ga­ma, Ram­buk­ka­na, Hetha­ra­li­y­ad­da und Hedeni­ya geplant. Die aktu­ell geschätz­ten Kos­ten lie­gen bei 90 Mrd. Rupees.

Elefanten auf der Autobahn am 23. Oktober 2013Mal sehen, ob wir (irgend­wann) in den Genuss die­ser Auto­bahn kom­men und unse­re Fahr­ten nach Colom­bo oder zum Flug­ha­fen schnel­ler und ent­spann­ter wer­den.

Hof­fent­lich erle­ben wir dann nicht das Bild, das sich am 23. Okto­ber 2013 bot. Damals wur­de die neue Auto­bahn von Colom­bo zum Flug­ha­fen eröff­net.

Vor eini­gen Tagen ent­deck­te ich noch eine Kar­te, die den unge­fäh­ren Ver­lauf der Auto­bahn sche­ma­tisch zeigt. Die­se Kar­te spie­gelt etwa den Pla­nungs­stand wie­der, den die obi­ge Kar­te von 2013 zeigt.

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