Indischer Koel (Eudynamys_scolopacea)

Der (nervende?) Neujahrsvogel

All­jähr­lich in April fällt ein Vogel durch sein lau­tes Rufen auf, das man sonst kaum zu hören bekommt.

Es ist der Ruf des Indi­schen Koel (Eudy­na­mys sco­lo­paceus oder Cucu­lus sco­lo­paceus), einer Kuckucks­art.

Weibchen des Indischen Koel
Weib­chen
Männchen des Indischen Koel
Männ­chen

Mit dem Gesang“ wer­den in Sri Lan­ka die Fei­er­lich­kei­ten zum Neu­en Jahr am 13. und 14. April in Ver­bin­dung gebracht. Schon in der tra­di­tio­nel­len sri­lan­ki­schen Lite­ra­tur wird der Vogel als Zei­chen des neu­en Jah­res ange­se­hen.

Der Beginn der Brut­sai­son fällt so ziem­lich mit dem bud­dhis­tisch-hin­du­is­ti­schen Neu­jahrs­fest zusam­men, geht aber tat­säch­lich noch bis in den August. Und da man im April zum ers­ten Mal den Koel hört, nennt man ihn auch New-Years-Bird – den Neu­jahrs­vo­gel“.

Das Weib­chen erreicht eine Kör­per­län­ge von etwa 41 Zen­ti­me­ter und das Männ­chen eine Kör­per­län­ge von etwa 39 Zen­ti­me­ter. Das Gewicht beträgt 300 Gramm. Das Männ­chen ist schwarz gefärbt, schim­mert bei güns­ti­gem Licht­ein­fall aber metal­lisch blau und grün, wäh­rend das Weib­chen auf brau­nem Grund weiß und rost­braun gefleckt und gebän­dert ist. Auf­fäl­lig sind die roten Augen bei bei­den Geschlech­tern. Die jugend­li­chen Vögel sind anfangs eben­falls ganz schwarz und das fol­gen­de Gefie­der­kleid bei­der Geschlech­ter ähnelt dem Alters­kleid des Weib­chens, jedoch wei­sen die Jung­vö­gel über­wie­gend eine gelb­brau­ne Fär­bung auf und die Augen sind im Gegen­satz zu den Alt­vö­geln dun­kel gefärbt.

Der von anderen großgezogen wurde

In den indi­schen Veden, den 4.000 Jah­re alten hei­li­gen Schrif­ten des Hin­du­is­mus, wird er Anya-Vapa genannt, was über­setzt so viel wie Der von ande­ren groß­ge­zo­gen wur­de bedeu­tet; das ist damit das ältes­te bekann­te Wis­sen über der Brut­pa­ra­si­tis­mus der Kuckucks­vö­gel!

Beim Ein­schmug­geln des Eies hilft das Koel-Männ­chen dem Weib­chen. Meis­tens wer­den Krä­hen als Pfle­ge­el­tern“ gewählt. Das Männ­chen lockt eine brü­ten­de Krä­he vom Nest fort, so dass das Koel-Weib­chen unge­hin­dert sein Ei ins Nest legen kann. Nach nur 15 Tagen Bebrü­tung schlüpft der jun­ge Koel, er wirft jedoch sei­ne Stief­ge­schwis­ter nur sel­ten oder gar nicht aus dem Nest. Aller­dings erreicht er in den nächs­ten vier bis sechs Wochen das dop­pel­te Gewicht sei­ner Stief­ge­schwis­ter, da er sich laut­hals beim Bet­teln um Nah­rung vor­drän­gelt und die Stief­ge­schwis­ter bei­sei­te drängt.

Asian_Koel_eating_cooked_riceiIn Indi­en und Sri Lan­ka – da heißt er übri­gens Koha – කොහා – wer­den Koels ger­ne als Käfig­vö­gel gehal­ten. Mit gekoch­tem Reis gefüt­tert, wer­den die­se anspruchs­lo­sen Vögel in Gefan­gen­schaft schon mal 14 Jah­re alt!

Ist der Ruf wirk­lich ner­vig“? Ich fin­de nicht. Sel­ten sitzt ein rufen­der Koel in unmit­tel­ba­rer Nähe; meis­tens hört man das Rufen aus der Fer­ne. Es mischt sich mit den Klän­gen und Geräu­schen des Dschun­gels und ver­mit­telt ein Gefühl der Nähe zu mei­ner Umge­bung. Ein ähn­lich hei­mat­li­ches Gefühl, das der Ruf eines Kuckucks oder das Pochen eines Spechts zum Bei­spiel im Schwarz­wald oder im Gru­ne­wald bei mir aus­löst.

ko-el, ko-el

Der Name Koel ist ono­ma­to­poe­tisch und lei­tet sich aus dem teil­wei­se ziem­lich auf­dring­li­chen Ruf ko-el, ko-el“ ab, der inner­halb einer Stro­phe in der Ton­hö­he steigt und an Laut­stär­ke zunimmt.

So hört sich das an:

 

oder so:

 

und so mit beweg­tem Bild:

Er ist übri­gens sehr häu­fig anzu­tref­fen. Auf den Boden kommt er fast nie her­ab, abge­se­hen von den ers­ten Wochen nach dem Aus­flie­gen.

Heckenkuckuck - Centropus sinensis parroti Nicht ver­wech­seln soll­te man den Indi­schen Koel mit dem Hecken­ku­ckuck (Cen­tro­pus sinen­sis par­ro­ti) , der sich eher zurück­hal­tend durch das Unter­holz bewegt und – obwohl ein ech­ter“ Kuckuck – sei­ne Nach­kom­men selbst aus­brü­tet und groß­zieht.

Ein­zel­ne Exem­pla­re sehen wir gele­gent­lich, wenn sie unse­re Bau­stel­le durch­que­ren“.

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