Kaffee in Sri Lanka

Kaffee in Sri Lanka? Ja: කෝපි!

Wer denkt bei Kaf­fee“ schon an Sri Lan­ka? Es ist der Tee, der die­ses Land berühmt macht! Mit über 327.00 Ton­nen pro­du­zier­tem Tee war Sri Lan­ka im Jahr 2011 der viert­größ­te Pro­du­zent welt­weit. Aber Kaf­fee?Mit einer schon seit eini­gen Jah­ren sta­gnie­ren­den Pro­duk­ti­on von ca. 3.000 Ton­nen Roh­kaf­fee jähr­lich zählt Sri Lan­ka heu­te zu den eher unbe­deu­ten­den Kaf­fee pro­du­zie­ren­den Län­dern: Bra­si­li­en pro­du­ziert jähr­lich über 2,5 Mio Ton­nen und Viet­nam über 1,2 Mio Ton­nen Roh­kaf­fee jähr­lich. Dass das in der Geschich­te Sri Lan­kas schon ein­mal anders war, erzäh­le ich spä­ter.

coffea arabicaEs waren Ara­ber, die die ers­ten Kaf­fee­pflan­zen nach Cey­lon brach­ten. Aber es dau­er­te noch bis 1825, als die ers­te Kaf­fee­plan­ta­ge von Sir Edward Bar­nes ange­legt wur­de. 1836 bedeck­ten Kaf­fee­sträu­cher der Varie­tät Cof­fea Ara­bi­ca knapp 162 ha Flä­che.

Nach einer 1671 von Anto­ni­us Faus­tus Nai­ro­nus in sei­nem Buch De salu­ber­ri­ma potio­ne cah­ve zu Papier gebrach­ten Legen­de sol­len einst Hir­ten aus dem im Süd­wes­ten des heu­ti­gen Äthio­pi­en lie­gen­den König­reichs Kaf­fa auf­ge­fal­len sein, dass ein Teil der Zie­gen­her­de, der von einem Strauch mit wei­ßen Blü­ten und roten Früch­ten gefres­sen hat­te, bis in die Nacht hin­ein mun­ter umher­sprang, wäh­rend die ande­ren Tie­re müde waren. Die Hir­ten beklag­ten sich dar­über bei Mön­chen des nahe gele­ge­nen Klos­ters. Als ein abes­si­ni­scher Hir­te selbst die Früch­te des Strauchs pro­bier­te, stell­te er auch bei sich eine bele­ben­de Wir­kung fest. Bei Nach­for­schun­gen an der Gra­sungs­stel­le ent­deck­ten die Mön­che eini­ge dun­kel­grü­ne Pflan­zen mit kir­schen­ar­ti­gen Früch­ten. Sie berei­te­ten dar­aus einen Auf­guss und konn­ten fort­an bis tief in die Nacht hin­ein wach blei­ben, beten und mit­ein­an­der reden. Ande­re Quel­len besa­gen, der Hir­te habe die im rohen Zustand unge­nieß­ba­ren Früch­te ange­wi­dert ins Feu­er gespuckt, wor­auf­hin Düf­te frei­ge­setzt wur­den; so ent­stand die Idee des Rös­tens.

Der Ursprung der Kaf­fee­pflan­ze liegt in Ost­afri­ka, genau­er in Äthio­pi­en und Soma­lia. Dort fin­det man auch heu­te noch sei­ne Wild­for­men. Die Kul­ti­vie­rung der Pflan­ze fand jedoch auf dem Gebiet des heu­ti­gen Jemen statt. Die jeme­ni­ti­sche Hafen­stadt Mok­ka (von المخا al-Muchāal-Muḫā, auch MukhaMokha, eng­lisch Mocha) war schon damals ein flo­rie­ren­des Han­dels­zen­trum. Der Mok­ka, die­se spe­zi­el­le Art der Kaf­fee­zu­be­rei­tung, wird nach dem eins­ti­gen Export­ha­fen für Kaf­fee benannt.

Auch wenn die Anfän­ge der Kul­ti­vie­rung der Kaf­fee­pflan­ze ver­mut­lich schon im 6. Jahr­hun­dert lagen, war sei­ne Ent­wick­lung doch erst im 15. Jahr­hun­dert soweit gedie­hen, dass man über­haupt erst von Kaf­fee­han­del spre­chen konn­te. Die Ver­brei­tung des Kaf­fees  erfolg­te – mehr oder weni­ger zufäl­lig“ – durch die Pil­ger- und Han­dels­rei­sen­den jeder Zeit.

Es waren die Ara­ber und die Tür­ken, die den Kaf­fee bei den See­fah­rern ein­führ­ten, die Han­dels­be­zie­hun­gen in den Ori­ent unter­hiel­ten. Mit der Erobe­rung des alten Jemen durch die Per­ser und schließ­lich durch die Tür­ken wur­de im 16. Jahr­hun­dert die ent­stan­de­ne Kaf­fee­kul­tur“ mite­robert und ver­brei­tet. Die sys­te­ma­ti­sche Kul­ti­vie­rung des Kaf­fee­an­baus nahm ihren Anfang. Aller­dings behan­del­ten die ara­bi­schen Pflan­zungs­be­sit­zer und Fern­händ­ler den Kaf­fee­an­bau als eine Art Staats­ge­heim­nis“: stren­ge Bewa­chung und das Über­gie­ßen der Kaf­fee­boh­nen mit hei­ßem Was­ser, um die Keim­fä­hig­keit aus­zu­schlie­ßen, soll­ten die Aus­saat an ande­rer Stel­le als im Osma­ni­schen Reich ver­hin­dern. Um das Mono­pol auf die­sen Han­del wei­ter zu wah­ren, ach­te­ten die Ara­ber auch genau dar­auf, dass nur die nack­ten Boh­nen expor­tiert wur­den, ohne die Umhül­lung des Frucht­flei­sches – wel­ches die Samen erst keim­fä­hig macht.

Die Aus­brei­tung des Kaf­fees

  • Bis Mit­te des 17. Jahr­hun­derts Ara­bi­sches Mono­pol, Anbau in Äthio­pi­en und Jemen
  • 1500 Aus­nah­me von der Regel: Cey­lon. Viel­leicht wur­de dort schon ab 1500 von Indern Kaf­fee ange­baut.
  • 1600 Anbau in Süd­in­di­en
  • 1648 Nach­ge­wie­se­ner Kaf­fee­an­bau auf Cey­lon durch die Nie­der­län­der
  • 1699 Der nie­der­län­di­sche Kaf­fee­an­bau erstreckt sich nun auch auf Java
  • 1723 Frank­reich beginnt mit dem Kaf­fee­an­bau im gro­ßen Stil auf Mar­ti­ni­que
  • 1723 Die Por­tu­gie­sen begin­nen in Bra­si­li­en mit dem Kaf­fee­an­bau
  • 1740 Auf den Phil­ip­pi­nen füh­ren die Spa­ni­er Kaf­fee­pflan­zen ein
  • 1875 Gua­te­ma­la wird durch die Spa­ni­er zum Kaf­fee­land
  • 19./20. Jahr­hun­dert In vie­len afri­ka­ni­schen Län­dern wird der Kaf­fee durch die Euro­pä­er rekul­ti­viert.

Mit dem wirt­schaft­li­chen Auf­stieg der euro­päi­schen Län­der und dem Aus­bau von Han­dels­we­gen begann  im 17. Jahr­hun­dert der Wett­lauf der Kolo­ni­al­mäch­te, Kaf­fee­pflan­zen für ihre Kolo­ni­en in Über­see zu erlan­gen.

So gelang es 1616 den Hol­län­der eine Kaf­fee­pflan­ze in die Hei­mat zu schmug­geln. 1648 brach­ten sie die ers­ten Kaf­fee­pflan­zen nach Cey­lon und began­nen dort mit dem sys­te­ma­ti­schen Anbau.

Etwa zeit­gleich kam der Kaf­fee als Getränk nach Euro­pa. Um 1615 führ­te der Vene­zia­ner Pie­tro del­la Val­le ihn in Vene­dig ein, bis 1650 war er in Mar­seil­le, Ams­ter­dam, Ham­burg, Paris und Lon­don ange­kom­men. Der Kaf­fee­kon­sum stieg und es ent­stan­den die ers­ten Kaf­fee­häu­ser. Kaf­fee wur­de zu einem Pro­dukt von welt­wirt­schaft­li­chem Rang.

Ende des 18. Jahr­hun­derts war Kaf­fee die am wei­tes­ten ver­brei­te­te Kul­tur­pflan­ze in den Tro­pen und gewann als Import­wa­re innen­po­li­ti­sche Bedeu­tung. Im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung wur­de er ein Heiß­ge­tränk für alle Schich­ten. Fried­rich der Gro­ße ver­bot 1766 die pri­va­te Ein­fuhr von Kaf­fee sowie den pri­va­ten Han­del. Es wur­de das allei­ni­ge Recht des preu­ßi­schen Staa­tes, mit Kaf­fee zu han­deln. 1769 kam der ers­te Zicho­ri­en­kaf­fee in Braun­schweig auf den Markt, der aber erst an Bedeu­tung gewann, als Boh­nen­kaf­fee zu teu­er für die ärme­re Bevöl­ke­rung wur­de und zu Zei­ten von staat­li­chen Ver­bo­ten. 1781 wur­de schließ­lich auch das Rös­ten des Kaf­fees für Pri­vat­leu­te in Preu­ßen ver­bo­ten. Ehe­ma­li­ge fran­zö­si­sche Sol­da­ten wur­den als Kaf­fee-Rie­cher“ ein­ge­stellt und soll­ten durch ihren Geruchs­sinn ille­ga­les Rös­ten auf­spü­ren. Das Kaf­fee­mo­no­pol Preu­ßens wur­de 1787 abge­schafft, denn der Schmug­gel hat­te einen zu gro­ßen Umfang ange­nom­men und konn­te nicht mehr kon­trol­liert wer­den.

Etwa um 1700 wur­den die ers­ten Kaf­fee­plan­ta­gen von den Hol­län­dern auf Java errich­tet. Kurz dar­auf ging es auf Suma­tra und Cele­bes wei­ter. Indo­ne­si­en ist bis heu­te ein bedeu­ten­der Kaf­fee-Expor­teur geblie­ben.

Gegen 1715 gelang es dann den Fran­zo­sen auf La Réuni­on den ers­ten Kaf­fee anzu­bau­en. Zehn Jah­re spä­ter ging es auf  Mar­ti­ni­que wei­ter, von wo aus dann auch die Ver­brei­tung in Rich­tung Hai­ti und Gua­de­lou­pe vor­an schritt.

In den 1730er Jah­ren erreich­ten die ers­ten Kaf­fee­pflan­zen Bra­si­li­en, um sich von dort aus in Süd- und Mit­tel­ame­ri­ka wei­ter ver­brei­tet zu wer­den.

Etwa zu die­ser Zeit began­nen auch die Bri­ten auf Jamai­ka mit der Kul­ti­vie­rung. Es ent­stand der bis heu­te legen­dä­re Blue-Moun­tain-Kaf­fee.

Der Kaf­fee­an­bau erreich­te Gua­te­ma­la, Cos­ta Rica und Kuba, bis Anfang des 19. Jahr­hun­derts schließ­lich Kaf­fee auf Hawaii ange­baut wur­de.

Ab etwa 1880 geht es dann zurück zum Aus­gangs­punkt: Bri­ti­sche Land­be­sit­zer began­nen in Kenia, Tan­gan­ji­ka und Ugan­da in gro­ßem Umfang Kaf­fee anzu­pflan­zen. 1896 erreicht der Kaf­fee schließ­lich auch den fünf­ten Kon­ti­nent und in Queens­land ent­stan­den ers­te Kaf­fee­plan­ta­gen.

Von Ceylon aus eroberte Kaffe die Welt

Nach­dem Cey­lon 1818 von den Eng­län­dern als Kolo­nie über­nom­men“ wur­de, began­nen sie die Infra­struk­tur der Insel zu ver­bes­sern und den Anbau von Kaf­fee durch Plan­ta­gen gezielt zu för­dern, die bis 1867 auf eine Anbau­flä­che von ca. 21.000 ha aus­ge­dehnt wor­den waren. Cey­lon-Kaf­fee war gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts eine bekann­te und begehr­te Ware. 1860 gehör­te Sri Lan­ka mit Bra­si­li­en und Indo­ne­si­en zu den drei Län­dern mit dem höchs­ten Export von Kaf­fee welt­weit!

Seite aus dem Gardener's Chronicle vom Sonnabend, 6. November 1869
The Gardener’s Chro­ni­cle – Aus­zug vom 6. Novem­ber 1869

Doch schon bald wur­de die­sem Erfolg ein Ende gesetzt: 1869 wur­den ers­te Anzei­chen des Kaf­fee­rost-Befalls (Hemi­leia vas­ta­trix) auf den Blät­tern von Kaf­fee­sträu­chern ent­deckt. War eine Plan­ta­ge ein­mal von dem Pilz befal­len, konn­te man sie auf­ge­ben! Inner­halb kür­zes­ter Zeit brei­te­te sich der Pilz auf der gan­zen Insel aus, wodurch inner­halb von nur 15 Jah­ren der Kaf­fee­an­bau auf Cey­lon zusam­men­brach – und von dort aus­ge­hend auf der gan­zen Welt. Inner­halb von 25 Jah­ren zer­stör­te der Kaf­fee­rost welt­weit ca. 160.000 Hekt­ar blü­hen­de Kaf­fee­plan­ta­gen.

Der ört­li­che bota­ni­sche Gar­ten in Pera­deni­ya und sei­ne Lon­do­ner Zen­tra­le Kew Gar­dens ver­such­ten noch den Pflan­zern zu hel­fen, doch konn­ten sie kein effek­ti­ves Gegen­mit­tel gegen die ver­hee­ren­de Pflan­zen­krank­heit ent­wi­ckeln. Infol­ge­des­sen schwenk­ten die Pflan­zer auf Tee um, für den Cey­lon heu­te bekannt ist.

Über Jahr­zehn­te hin­weg soll­te in Cey­lon kein Kaf­fee mehr ange­baut wer­den.

Erhe­bun­gen zei­gen, dass 1953 nur auf einer Flä­che von 20 ha Kaf­fee ange­baut wur­de, über­wie­gend in klei­nen Dorf­gär­ten unter 0,2 ha Flä­che. Die­se Anbau­flä­chen lagen fast nur auf höhe­ren Regio­nen, in denen die Kaf­fee­sträu­cher bes­ser vor Rost­be­fall geschützt waren.

1964 wur­de schon wie­der auf einer Flä­che von 800 ha Kaf­fee geern­tet.

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