Kandy Chief um 1890

Ein Piha Kaetta

Das Piha-Kaet­ta ist ein sin­gha­le­si­sches Mes­ser des 16. Jahr­hun­derts aus Cey­lon. [Es] ent­stand etwa im 16. Jahr­hun­dert auf Cey­lon, dem heu­ti­gen Sri Lan­ka,“ erklärt Wiki­pe­dia kurz und knapp. Über die eigent­li­che Schön­heit die­ses anti­ken Mes­ser­typs erfah­ren wir fast nichts. Das Piha-Kaet­ta hat eine gera­de, ein­schnei­di­ge, kräf­ti­ge Klin­ge. Am Ort (Spit­ze) läuft sie von dem Klin­gen­rü­cken zur Spit­ze hin schräg zu (abge­schnit­ten). Sie ist etwa 20 cm lang. Auf bei­den Klin­gen­sei­ten sind nahe dem Heft zwei Plat­ten aus Metall ange­bracht, die zur Ver­zie­rung und Ver­stär­kung die­nen. Es gibt auch Ver­sio­nen ohne die­se Plat­ten. Der Heft (Griff) hat kei­nen Pari­er und besteht aus Holz, Horn oder Elfen­bein. Das Piha-Kaet­ta gibt es in vie­len Aus­füh­run­gen. Die Schei­den wer­den aus Leder, Horn oder Metall her­ge­stellt.“ Fer­tig.

Die Bil­der oben zei­gen unse­ren neu­es­ten Erwerb. Vie­le wei­te­re Gale­ri­en und Abbil­dun­gen sind in der Samm­lung Jor­ge Cara­va­na (in eng­li­scher und spa­ni­scher Spra­che) zu fin­den. Der Kunst­händ­ler Micha­el Beck­man zeigt auch eini­ge sehr präch­ti­ge Stü­cke und wei­te­re Piha-Kaet­ta sind in der Samm­lung des Metro­po­li­tan Muse­um of Art aus New York zu bestau­nen.

Ein Piha-Kaet­ta wur­de fast nur von den Adli­gen am könig­li­chen Hof in Kan­dy getra­gen. Wie, sieht man auf dem fol­gen­den Bild.

Geschnitzte Elfenbeinstatue eines Mitglieds des königlichen Hofes in Kandy, 18. Jhd.
Geschnitz­te Elfen­bein­sta­tue eines Mit­glieds des könig­li­chen Hofes in Kan­dy, 18. Jhd. 18,5 cm hoch

Es zeigt eine 18,5 cm hohe Sta­tue aus geschnitz­tem Elfen­bein. Der dar­ge­stell­te Mann ist ein Mit­glied des könig­li­chen Hofes in Kan­dy. Er steht streng auf­recht und hat die Hän­de flach an den Kör­per gelegt. Ein Piha-Kaet­ta trägt er in einer Schär­pe. Außer­dem hat er einen Kamm im Haar.

In den Kunst­wer­ken des letz­ten unab­hän­gi­gen König­reichs Cey­lons wur­de viel Elfen­bein ver­wen­det – das sei­ner­zeit belieb­tes­te Mate­ri­al für Skulp­tu­ren und Sta­tu­en. Der könig­li­che Palast war das Zen­trum, das die begab­tes­ten Hand­wer­ker anzog. Es war eine künst­le­ri­sche Éli­te, die die Gil­de der Pat­tal-hata­ra (wört­lich: die vier Werk­stät­ten) bil­de­ten. Ihre Mit­glie­der waren Maler, Juwe­lie­re, Gold- und Sil­ber­schmie­de und die Tisch­ler, die Eben­holz ver­ar­bei­te­ten. Die Mit­glied­schaft in einer sol­chen Pat­ta­la wur­de wei­ter­ver­erbt und man arbei­te­te nur für den König. Ursprüng­lich gab es nur eine Pat­ta­la (Werk­statt), aber je umfang­rei­cher die Auf­trä­ge wur­den, des­to mehr Unter­ab­tei­lun­gen“ wur­den gegrün­det. In der Rand­a­ku Pat­ta­la wur­den bei­spiels­wei­se gol­de­ne Schwer­ter und ande­re Waf­fen, die mit Gold ver­ziert waren, her­ge­stellt.

Die­se Hand­wer­ker waren es auch, die die Tem­pel im König­reich von Kan­dy bau­ten und deko­rier­ten. Sie erfreu­ten sich des Schut­zes und der För­de­rung durch den König und wur­den mit könig­li­chen Geschen­ken belohnt. Ihre Anwe­sen­heit zog auch ande­re Künst­ler wie Tän­zer und Musi­ker an den Hof, wes­halb die Köni­ge von Kan­dy auch für ihre För­de­rung der Küns­te bekannt wur­den.

Für die Por­tu­gie­sen und ande­re spä­te­re Kolo­ni­al­mäch­te war die Insel Cey­lon und die umlie­gen­den Gebie­te ein Schatz“ vol­ler natür­li­cher wert­vol­ler Recour­cen: Edel­stei­ne, Kris­tal­le und Elfen­bein waren die Mate­ria­li­en, aus denen die Men­schen Cey­lons die wert­volls­ten Kunst­ge­gen­stän­de her­stell­ten, die damals im Wes­ten bekannt waren. Cey­lon war ein Geschenk aus einer gött­li­chen Hand“, erklär­te Jor­ge Pin­to de Aze­ve­do sei­nem König Joăo IV im Jahr 1646.
 Elfenbeinstatue eines Mitglieds des königlichen Hofes in Kandy, 18. Jhd.  Elfenbeinstatue eines Mitglieds des königlichen Hofes in Kandy, 18. Jhd.  Elfenbeinstatue eines Mitglieds des königlichen Hofes in Kandy, 18. Jhd. Geschnitzte Elfenbeinstatue eines Mitglieds des königlichen Hofes in Kandy, 18. Jhd.
Jede die­ser Werk­stät­ten hat­te einen Mula­cha­ri oder Meis­ter, unter dem die ande­ren Hand­wer­ker arbei­te­ten. Ihr Hand­werk wur­de im Wesent­li­chen in vier Kate­go­ri­en ein­ge­teilt:

  • Her­stel­lung von Orna­men­ten – Abha­ra­na
  • Her­stel­lung von Kro­nen – Otun­na
  • Her­stel­lung von Schwer­tern, Waf­fen –  Rand­a­ku
  • Her­stel­lung der Thro­ne – Simha­s­a­na

Hand­wer­ker aus ver­schie­de­nen Gil­den oder Werk­stät­ten  kon­kur­rier­ten mit­ein­an­der um ein­zig­ar­ti­ge Kunst­wer­ke zu schaf­fen. Dadurch wuchs auch der sozia­le und wirt­schaft­li­che Sta­tus und die Aner­ken­nung der Hand­wer­ker.

Tra­di­tio­nel­le Orna­men­te für die Köni­ge beinhal­te­ten die sehr auf­wän­di­ge Siv Sata Abha­ra­na, wört­lich: die 64 Orna­men­te. Meh­re­re Dör­fer im Distrikt Kan­dy erwar­ben Aus­zeich­nun­gen und Aner­ken­nun­gen für die Her­stel­lung von Kro­nen, Dia­de­men und ande­rem Kopf­schmuck, Stirn­bän­dern, Stirn­plat­ten, Hüft­gür­teln, Arm­bän­dern, Arm­rei­fen, Hals­ket­ten, Ohr­rin­gen, Rin­gen, Fuß­kett­chen und der­glei­chen für den König und sei­nen Hof­staat.

Zwi­schen dem könig­li­chen Patro­nat und den Schmuck­hand­wer­kern bestan­den vie­le Ver­bin­dun­gen. So soll König Vikra­ma Bahu Hand­werks­meis­ter beauf­tragt haben, die Insi­gni­en für sei­ne Krö­nung anzu­fer­ti­gen: die Dör­fer Aya­ga­ma und Yatat­na­va soll­ten sei­ne Kro­ne her­stel­len. In Goda­ga­ma und Amu­nu­ga­ma arbei­te­ten die Macher des Ran Kadu­wa, des gol­de­nen Schwer­tes und die Dör­fer Wal­wa­sa­go­da und Kru­kut­ta­la fer­tig­ten das Nal­al­pe­ta, das Stirn­band.

Eine ver­gol­de­te und mit Rubi­nen und Saphi­ren besetz­te Scha­le, die Tepac­ca-Kusal­a­na, soll dem König Rajadhi Raja Sin­ha gewid­met sein. Sie ist mit den Ver­sen  Jaya Saka und Alga­ma San­na­sa ver­se­hen wor­den, die nach einem Sieg über die Hol­län­der bei Guru­bebi­le ver­fasst wur­den. Die­se Scha­le wur­de anschlie­ßend bei allen wei­te­ren Krö­nun­gen und Zere­mo­ni­en ver­wen­det, genau wie auch das Gol­de­nen Schwert.

In den gol­de­nen Schreib­grif­fel, das/den Pan­hin­da, wur­de das könig­li­chen SRI“ gra­viert und von König Naren­dra Sim­ha an den Zwei­ten Schatz­meis­ter, den Maha­gaba­da Nila­me, der auch das Amt des obers­ten Wäch­ters, des Diva Nila­me im Zahn­tem­pel in Kan­dy inne­hat­te, über­ge­ben.

Etwas Lite­ra­tur dazu:

  • A Glossa­ry of the Con­struc­tion, Deco­ra­ti­on and Use of Arms and Armor von Geor­ge Came­ron Stone
  • Rites of Power: Ori­en­tal Wea­pons: Collec­tion of Jor­ge Cara­va­na, Calei­do­sco­pio  von Jor­ge Cara­va­na
  • Anci­ent Swor­ds, Dag­gers & Kni­ves in Sri Lankan Muse­ums von P.H.D.H. De Sil­va und S. Wick­ra­ma­sing­he
  • Visi­ons of an Island: Rare works from Sri Lan­ka in the Chris­to­pher Ondaat­je Collec­tion von N.Weereratne