Cinnamomum verum aus Köhlers Medizinal-Pflanzen, 182

කුරුඳු – Kurundu: so schön kann Zimt klingen

කුරුඳු – Kurun­du – Zimt. Schon das sin­gha­le­si­sche Wort ver­strömt die Wär­me, die wir vom Zimt ken­nen.

Ech­ter Zimt war frü­her  – und ist es eigent­lich auch heu­te noch –  eine Kost­bar­keit. War­um heu­te noch“? Dazu spä­ter mehr! Ara­bi­sche Händ­ler ver­trie­ben das Gewürz als ers­te, hiel­ten des­sen Her­kunft aber streng geheim. Aben­teu­er­li­che Gerüch­te bil­de­ten sich: So bau­ten angeb­lich bestimm­te Vögel ihre Nes­ter aus Zimt­stan­gen und die Samm­ler müss­ten ihnen das Nest steh­len! Ha!

Im 14. Jahr­hun­dert gelang­te das Gewürz nach Euro­pa. Infol­ge­des­sen such­ten euro­päi­sche Gewürz­händ­ler nach dem Ursprung der wert­vol­len Rin­de und fan­den ihn auf der Insel Cey­lon. Seit­dem ver­trie­ben in ers­ter Linie por­tu­gie­si­sche und spä­ter nie­der­län­di­sche Händ­ler Zimt. Er ist ein häu­fig ver­wen­de­tes Gewürz und das nicht nur im ori­en­ta­li­schen und euro­päi­schen Raum, son­dern auf der gan­zen Welt. Zimt gehört zu den ältes­ten Gewür­zen der Welt!

Es ist das Weih­nachts­ge­würz schlecht­hin: was wäre Weih­nach­ten ohne Leb­ku­chen, Zimt­ster­ne und Spe­ku­la­ti­us? Damals, als mei­ne Oma die Keks­do­se aus dem Küchen­schrank hol­te und es bei Mucke­fuck und Zimt­ster­nen so rich­tig gemüt­lich wur­de, fühl­te ich mich glück­lich und gebor­gen. Der aro­ma­tisch war­me, süß­li­che Duft des Zimts präg­te sich tief in mei­nem Gedächt­nis ein. Heu­te erin­ne­re ich mich beim Duft eines Zimt­sterns an die­se Zeit und das pro­du­ziert Glücks­hor­mo­ne.  Zimt führt uns feh­len­de kör­per­li­che wie geis­ti­ge Wär­me zu und ver­mit­telt ein ein­hül­len­des, hei­me­li­ges Gefühl. Zimt macht (mich) glück­lich!

Aller­dings wird die süße Glück­se­lig­keit alle Jah­re wie­der durch Mel­dun­gen über hohe Cumarinkon­zen­tra­tio­nen in Weih­nachts­ge­bäck und extra für die Weih­nachts­bä­cke­rei oder den Glüh­wein zusam­men­ge­stell­ten Gewürz­mi­schun­gen getrübt.

Der Weih­nachts­klas­si­ker ent­stammt als Pul­ver oder Stan­ge der getrock­ne­ten Rin­de – nicht der äuße­ren Bor­ke! – des Zimt­baums. Die äthe­ri­schen Öle des Zimts ent­hal­ten weit über 100 ver­schie­de­ne che­mi­sche Sub­stan­zen, die dem Gewürz sei­nen cha­rak­te­ris­ti­schen Duft ver­lei­hen. Das äthe­ri­sche Öl (max. 4%) wird von den bei­den Phe­nyl­pro­pa­nen Zimt­al­de­hyd (3-Phe­nyl-acro­leïn, 65 bis 75%) und Euge­nol (4-Allyl-2- meth­oxy­phe­nol, 5 bis 10%) domi­niert. Ande­re Phe­nyl­pro­pa­ne (Safrol, Zimt­säu­re­es­ter), Mono- und Ses­qui­ter­pe­ne usw. usf. tre­ten in Spu­ren auf, beein­flus­sen das Aro­ma aber merk­lich.

Die genaue Zusam­men­set­zung vari­iert zwi­schen den ver­schie­de­nen Zimt­ar­ten: Wäh­rend der sri­lan­ki­sche Zimt reich an Euge­nol ist und ver­gleichs­wei­se wenig Cuma­rin ent­hält, ist die­ses Ver­hält­nis beim viet­na­me­si­schen Cas­sia-Zimt ent­ge­gen­ge­setzt. Das ist der ent­schei­den­de Unter­schied, der ein wenig Auf­merk­sam­keit bei der Wahl des zu ver­wen­den­den Zimts ver­langt!

Der natür­li­che Inhalts­stoff Cuma­rin – der steckt übri­gens auch im Wald­meis­ter – steht im Ver­dacht, in gro­ßen Men­gen das Risi­ko für Leber­krebs und -ent­zün­dun­gen zu stei­gern. Des­we­gen gel­ten in der Euro­päi­schen Uni­on seit 2011 Höchst­ge­hal­te für Cuma­rin in Lebens­mit­teln. Aller­dings nicht für Zimt als Gewürz.

Ceylon-Zimt aus dem srilankischen Supermarkt
Cey­lon-Zimt aus dem sri­lan­ki­schen Super­markt

Die Faust­re­gel, die das Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung (BfR) daher aus­gibt lau­tet: Cey­lon-Zimt kau­fen, weil der in punc­to Cuma­rin unkri­tisch sei; am bes­ten als gan­ze Stan­gen! Wenn das Rezept z.B. für Zimt­ster­ne oder ande­res Weih­nachts­ge­bäck aber vor­schreibt, Pul­ver zu ver­wen­den, kann klein gebrö­sel­te Zimt­stan­ge auch in einer Gewürz­müh­le zu Pul­ver ver­ar­bei­tet wer­den – mein Tipp! Auf jeden Fall soll­te auf Emp­feh­lung des BfR täg­lich höchs­tens zwei Mil­li­gramm Cuma­rin pro Kilo­gramm Kör­per­ge­wicht auf­ge­nom­men wer­den.

Im Jahr 2007 führ­te die Stif­tung Waren­test einen Test zum The­ma Zimt“ durch. Danach ist nur der ech­te“ Cey­lon-Zimt in punc­to Cuma­rin pro­blem­los. In 23 von 30 Zimt­pul­vern waren die gemes­se­nen Cuma­rinwer­te zu hoch, aber nur in 2 von 21 unter­such­ten Zimt­stan­gen. Ech­ter Cey­lon-Zimt wird in Deutsch­land sel­ten ange­bo­ten, ande­re Sor­ten über­wie­gen, die alle als Cas­sia-Zimt bezeich­net wer­den müss­ten. Die Deut­schen sind an den inten­si­ven Geschmack des Cas­sia-Zimts gewöhnt, was sich auch im Import wider­spie­gelt: 2006 stamm­te der Groß­teil des ein­ge­führ­ten Zimts aus Indo­ne­si­en, wo Kas­sia zuhau­se ist. Die­se Sor­te kos­tet auf dem Welt­markt weit weni­ger als Cey­lon-Zimt. Schön für die Zimt ver­ar­bei­ten­de Lebens­mit­tel­in­dus­trie, schlecht für mich als Ver­brau­cher!

Der Unterschied zwischen Ceylon- und Cassia-Zimt

Ceylon-Zimt (cinnamomum verum) und Cassia-Zimt (cinnamomum burmannii)
links: Cey­lon-Zimt (cin­na­momum ver­um) rechts: Cas­sia-Zimt (cin­na­momum bur­man­nii)

Cin­na­momum zey­la­ni­cum oder auch Cin­na­momum ver­um – der Cey­lon-Zimt – stammt aus Sri Lan­ka. Es kommt auch im Süd­wes­ten Indi­ens und in den Ten­as­se­rim Hills in Bur­ma wild vor. Es wur­de ver­schie­dent­lich ver­sucht, Zimt­bäu­me auch in ande­ren Gebie­ten der Tro­pen anzu­sie­deln; ernst­haf­te Erfol­ge gab es aber nur auf den Sey­chel­len und in Mada­gas­kar zu ver­zeich­nen. Cey­lon-Zimt ist sehr aro­ma­tisch und süß­lich und ich wür­de das Aro­ma als fei­ner, wär­mer und zurück­hal­ten­der als das sei­nes Bil­lig-Pen­dants Cas­sia-Zimt beschrei­ben. Cey­lon-Zimt erkennt man an einer sehr dün­nen Rin­de, die zwei­sei­tig ein­ge­rollt ist. Der Cas­sia-Zimt, auch Chi­na-Zimt genannt, wird bei­spiels­wei­se in Indo­ne­si­en ange­baut. Sei­ne Rin­de ist dicker als die des Cey­lon-Zimts und er rollt sich nur ein­sei­tig ein. Im Geschmack ist er bit­ter und schär­fer als der Zimt aus Sri Lan­ka. Eigent­lich sehr auf­dring­lich und ordi­när!

Was wird uns als Zimt“ verkauft?

  • Cin­na­momum ver­umEch­ter“ Zimt, auch Cey­lon-Zimt oder Sri­Lan­ka-Zimt genannt
  • C. bur­man­nii – Korint­je, Padang Cas­sia oder Indo­ne­si­scher Zimt genannt
  • C. lou­rei­roi  – Sai­gon-Zimt, Viet­na­me­si­scher Cassia/Kassia oder Viet­na­me­si­scher Zimt genannt
  • C. cas­sia – Cas­sia, Kas­sia oder Chi­ne­si­scher Zimt.

Schau­en wir nun auf den ech­ten“ Zimt aus Sri Lan­ka, wer­den dort min­des­tens sie­ben ver­schie­de­nen Sor­ten des Ech­ten Zimts“ unter­schie­den, die sich durch den Geschmack ihrer Rin­de unter­schei­den:

  • Päni Kurun­du – පැණි කුරුඳු, Pat Kurun­du – පත් කුරුඳු oder Mapat Kurun­du – මාපත් කුරුඳු
  • Naga Kurun­du – නාග කුරුඳු
  • Päni Miris Kurun­du – පැණි මිරිස් කුරුඳු
  • Weli Kurun­du – වැලි කුරුඳු
  • Sewa­la Kurun­du – සෙවල කුරුඳු
  • Kaha­ta Kurun­du – කහට කුරුඳු
  • Pie­ris Kurun­du – පීරිස් කුරුඳු

In dem vor über  200 Jah­ren erschie­ne­nen Buch Maga­zin von merk­wür­di­gen neu­en Rei­se­be­schrei­bun­gen, 7. Band, ver­legt in Ber­lin 1792 bei der Vos­si­schen Buch­hand­lung lese ich ab  S. 270 fol­gen­de Infor­ma­ti­on:

Hier wur­den den­sel­ben Tag 326 Bal­len Zimmt in wol­le­ne Sæcke gepackt, und die­se nach­her noch in eine Kuh­haut genæhet. Ehe der Zimmt ein­ge­packt wird, muß er alle­zeit vor­her von Wun­dærz­ten unter­sucht wer­den, die für sei­ne Güte ver­ant­wort­lich sind. Aus jedem Bün­del nimmt man eini­ge Rin­den, kau­et und kos­tet sie. Dies ist ein sehr unan­ge­neh­mes Geschæft; denn der Zimmt nimmt bald allen Schleim von der Zun­ge und den Lip­pen weg, und ver­ur­sacht einen hef­ti­gen Schmerz, wes­we­gen man oft auf­hö­ren muß. Von Zeit zu Zeit pflegt man ein But­ter­brot dazwi­schen zu essen, um die Zun­ge wie­der schlüpf­rig zu machen; und doch hælt man es kaum zwei bis drei Tage hin­ter ein­an­der aus. Die Kenn­zei­chen des fei­nen Zimmts bestehen dar­in, daß er dün­ne und bieg­sam, fast wie Reg­al­pa­pier, hell­gelb oder bræun­lich von Far­be, und dabei süß­lich von Geschmack ist. Je mehr der Zimmt von die­sen Eigen­schaf­ten abweicht, des­to grö­ber und untaug­li­cher wird er, beson­ders, wenn er hart, so dick wie ein Schwe­di­scher Stü­ber, und dun­kel­braun von Far­be ist, und wenn er einen sie­chen­den oder bren­nen­den Geschmack auf der Zun­ge ver­ur­sacht. Jeder Neben­ge­schmack, beson­ders der zusam­men­zie­hen­de, bei­ßen­de und schlei­mich­te, zeigt an, daß der Zimmt grob ist. Die ver­schie­de­nen Sor­ten Zimmt, wel­che die Schæ­ler aus­su­chen, sind fol­gen­de:
1) Ras­se Kurun­du oder Pen­ni Kurun­du, das heißt, Honig­zimmt, ist der bes­te und ange­nehms­te, und hat gro­ße, dicke und brei­te Blæt­ter.
2) Nai Kurun­du, oder Slan­ge-Kaneel, kommt dem vori­gen fast gleich, und hat auch gro­ße Blæat­ter.
3) Kapu­ru Kurun­du, oder Kampf­erzimmt, wird nur im Gebie­te des Königs gefun­den, und sei­ne Wur­zel giebt, durch die Destil­la­ti­on, Kamp­fer.
4) Kahat­te Kurun­du ist sehr her­be und zusam­men­zie­hend. Er hat klei­ne­re Blæt­ter. Die­se vier Sor=

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ten, die alle von einer und der­sel­ben Art, nehm­lich vom Lau­rus Cin­na­momum kom­men, wer­den bloß durch den Geschmack unter­schie­den, und machen allein die guten, brauch­ba­ren aus.
Fol­gen­de Sor­ten aber wer­den nicht geschælt:
5) Sævel Kurun­du, hat einen sehr schlei­mich­ten Geschmack. Die Rin­de ist weich, schnicht und knor­richt, (vre­sig) auch zugleich so zæhe, daß sie von einer star­ken Bie­gung nicht gleich springt. Dies ist auch eine Abart von Lau­rus Cin­na­mnomum.
6) Dawul Kurun­du, oder plat­ter Zimmt, hat sei­nen Nah­men davon, daß die Rin­de, getrock­net, sich nicht rollt, son­dern platt bleibt. Er kommt von Lau­rus cas­sia.

7) Nika Kurun­du, mit Blät­tern, die dem Vitex negun­do glei­chen, lan­zett­för­mig und schmal sind. Dies soll eine Abart des Lau­rus cam­fo­ra seyn.
Außer die­sen sie­ben Arten zæhlt man noch drei, die sich vom æch­ten Zimmt merk­lich unter­schei­den. Von die­sen habe ich nur Eine Art, den Dorn­zimmt, gese­hen. Die übri­gen sind sehr sel­ten, und kom­men bloß im Gebiet des Königs vor.
8) Katuru Kurun­du, oder Dorn­ka­neel, kommt von einer ganz ver­schie­de­nen Gat­tung Bau­me. Die Rin­de hat nicht den gerings­ten Zimmt­ge­schmack. Die Blät­ter wei­chen ganz von der Gestalt der Lor­beer­blæt­ter ab, und die Zwei­ge sind mit Sta­cheln besetzt.
9) Mal Kurun­du oder Blu­men­zimmt.
10) Tom­pat Kurun­du, oder Klee­zimmt, des­sen Blæt­ter sich an der Spit­ze in drei Lap­pen thei­len.

Lese ich dort Vitex negun­do?
Da fällt mir das hier ein!

Über die Ernte des Zimts

Wäh­rend der Regen­zeit wer­den die min­des­tens zwei­jäh­ri­gen Schöß­lin­ge und Äste auf eine Län­ge von 1 bis 1,5 m abge­schnit­ten, die Blät­ter ent­fernt und mit Horn- oder Kup­fer­mes­sern (eiser­ne Mes­ser ros­ten!) die Augen rund aus­ge­sto­chen und die Äste von der äuße­ren Bor­ke, dem Kork gerei­nigt; dann wird die Rin­de längs in Strei­fen geschnit­ten, abge­löst, auf­ein­an­der­ge­sta­pelt und getrock­net; wäh­rend des Trock­nungs­vor­gan­ges rol­len sich die Stü­cke ein; sie dür­fen jetzt nur noch eine Dicke von höchs­tens 1 mm haben; 6 – 10 Stück wer­den als ein Bün­del inein­an­der gescho­ben, gerollt und auf glei­che Län­gen geschnit­ten. Die­se Rol­len wer­den Quills genannt. Die Bruch- und End­stü­cke, Res­te oder Abfäl­le (Chips) wer­den eben­falls gesam­melt, zu Pul­ver gemah­len oder zu Zimt­öl ver­ar­bei­tet.

Zimt­bäu­me kön­nen bis zu 200 Jah­re alt wer­den und trei­ben stän­dig Äste, die geschält wer­den kön­nen. Der wert­volls­te Zimt wird aus den Trie­ben gewon­nen, die in der Mit­te des Bau­mes wach­sen.

Die Ern­te­me­tho­de hat sich seit 200 Jah­ren kaum geän­dert, wie ich in dem oben erwähn­ten Werk lese, jedoch wer­den heu­te Wil­de­rern“ nicht Ohren und Nase abge­schnit­ten. Schön auch zu erfah­ren, wie Zimt und Pfef­fer für den Han­del auf­ein­an­der abge­stimmt ver­sand­fer­tig gemacht wer­den…

Der Zimmt wird in zwei ver­schie­de­nen Jah­res­zei­ten geschælt. Die eine heißt die gro­ße Erndte, und dau­ert vom April bis zum August; die zwei­te, oder die klei­ne Erndte, wahrt vom Novem­ber bis in den Janu­ar. Eigent­lich sol­len die Schæ­ler bloß in den Wæl­dern der Kom=

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pagnie blei­ben; aber bis­wei­len schlei­chen sie sich in das Gebiet des Königs, und schæ­len bis eine hal­be Mei­le von Kan­di. Wer­den sie indeß ergrif­fen, so schnei­det man ihnen zur Stra­fe Ohren und Nase ab. Das Schæ­len der Bau­me geschieht auf fol­gen­de Art. Zuvör­derst sucht man, nach den Blæt­tern und and­ren Kenn­zei­chen, eine gute Sor­te aus. Die Zwei­ge, die drei Jahr alt sind, wer­den mit einem gewöhn­li­chen krum­men Gar­ten­mes­ser abge­schnit­ten. Von den abge­schnit­te­nen Zwei­gen schabt man das obers­te Hæut­chen mit einem and­ren Mes­ser ab, wel­ches auf einer Sei­te erha­ben, auf der and­ren hohl, auf bei­den aber scharf und mit einer schar­fen Spit­ze ver­se­hen ist. Als­dann ritzt man mit der schar­fen Spit­ze des Mes­sers die Rin­de in der Lau­ge, und löset mit der erha­be­nen Schær­fe die­sel­be nach und nach ab. Dann sam­melt man die abge­schæl­ten Rin­den, steckt die klei­nern in die grö­ßern Röh­ren, trock­net sie, und bin­det sie in Bün­del zum Ein­pa­cken. Jedes Bün­del ist mit drei klei­nen Rot­tings umwun­den, und wiegt unge­fähr 30 Deut­sche Pfund. Nach­her wenn der Zimmt zu Schif­fe gebracht wer­den soll, wird er in grö­ße­re Bün­del umge­packt, die zwei Ellen lang sind, und 85 Pfund im Gewicht hal­ten. Die­se wer­den indeß nur zu 80 Pfund berech­net, weil man 5 Pf. auf das Aus­trock­nen gut thut. Wenn der Zimmt in Sæcke gepackt ist, so wird schwar­zer Pfef­fer dar­über geschüt­tet, daß dadurch alle Zwi­schen­ræu­me aus­ge­füllt wer­den. Der Pfef­fer zieht über­dies die Feuch­tig­kei­ten des Zimmts an, und die­ser wird dadurch con­ser­virt und oft noch stær­ker.

Wo kommt der Name Zimt“ her?

In den meis­ten Spra­chen gibt es kei­ne unter­schied­li­chen Namen für die ver­schie­de­nen Zimt­ar­ten. Wenn über­haupt, dann wer­den die ver­schie­de­nen Arten nur durch qua­li­fi­zie­ren­de Adjek­ti­ve über die Her­kunft unter­schie­den: sri­lanka­ni­scher Zimt für den ech­ten“ Zimt und chi­ne­si­scher Zimt für Kas­sie bzw. Cas­sia-Zimt.

Man­che euro­päi­sche Spra­chen haben ihre Namen für Zimt von latei­nisch canel­la Röhr­chen“, Kanü­le, was die Form der Zimt­stan­gen beschreibt, gebil­det: dänisch kanel, fin­nisch kaneli, fran­zö­sisch canel­le, spa­nisch cane­la, nie­der­län­disch kaneel, schot­tisch gälisch cai­ne­al, let­tisch kanē­lis, kata­la­nisch canyel­la, räto­ro­ma­nisch: cha­nel­la  sowie bul­ga­risch und grie­chisch kane­laканела bzw. κανέλα. In die­se Rei­he gehört auch por­tu­gie­sisch can­fo­rei­ra Zimt­baum – wört­lich Röhr­chen­trä­ger“; der Zimt heißt auf por­tu­gie­sisch cane­la.

Das latei­ni­sche can­nel­la ist ein Dimi­nu­tiv von can­na, ent­lehnt von grie­chisch kan­naκάννα, was Schilf bedeu­tet. Letzt­lich stammt es von sume­risch gin Schilf“. Alt­he­brä­isch qanehקנה gehört wohl auch in die­se Grup­pe und taucht mehr­mals im Alten Tes­ta­ment auf, wo es unter ande­rem eine aro­ma­ti­sche Pflan­ze bezeich­net, das Würz­rohr“. Die­se Pflan­ze wird meist mit Kal­mus (Aco­rus cala­mus) gleich­ge­setzt, aber es wur­de auch schon Zitro­nen­gras in’s Spiel gebracht.

Das deut­sche Zimt oder das eng­li­sche cin­na­mon lei­ten sich, eben­so wie ser­bisch cimetцимет, weiß­rus­sisch cyna­monцынамон, sor­bisch cymt,  litau­isch cina­mo­nas, yid­disch tsi­me­ringצימערינג und arme­nisch gina­monկինամոն, über das mit­tel­hoch­deut­sche zi(ne)mīn, zin­ment, zin­mint und das alt­hoch­deut­sche zi(na)mīn, cina­mon, cini­min vom latei­ni­schen cin­na­momum ab, das wie­der­um dem Grie­chi­schen ent­lehnt war (kin­na­mo­monκιννάμωμον). Die Grie­chen hat­ten die Bezeich­nung aus einer semi­ti­schen Spra­che über­nom­men: alt­he­brä­isch kina­momקנמון und ara­mä­isch quni­munܩܘܢܝܡܘܢ. Auf japa­nisch heißt Zimt shi­na­mon – シナモン.

Es wur­de vor­ge­schla­gen, dass die­se Namen letzt­lich aus einer alten Form des Malay­ischen stam­men; in die­sem Fall wären sie mit der moder­nen indo­ne­si­schen und malay­si­schen Form kayu manis süßes Holz“ ver­wandt, was aber eine etwas pro­ble­ma­ti­sche Annah­me ist. Ähn­li­che beschrei­ben­de Bezeich­nun­gen exis­tie­ren auch in ande­ren Spra­chen, z. B. in dem auf den Male­di­ven gespro­chen Dhi­vehi foni tho­shiފޮނި ތޮށި süße Rin­de“.

Der Name Kas­sie geht auf grie­chisch kasiaκασία zurück, das sei­ner­seits wohl eine Ent­leh­nung von semi­tisch spre­chen­den Händ­lern ist: alt­he­brä­isch qet­sii­ahקציעה. Man darf anneh­men, dass der Name wie das Gewürz selbst letzt­lich im wei­te­ren Sin­ne aus Chi­na stammt. Viel­leicht besteht ein Zusam­men­hang mit dem aus­tro­asia­ti­schen Volks­stamm der Kha­si, der heu­te zwar nur ein enges Gebiet im Nord­os­ten Indi­ens (Bun­des­staat Meg­ha­la­ya) und Ban­gla­desh bewohnt, des­sen frü­he­res Sied­lungs­ge­biet aber weit nach Assam und ins heu­ti­ge Bur­ma reich­te. Mög­li­cher­wei­se hiel­ten die Kha­si in der Anti­ke eine bedeu­ten­de Posi­ti­on im Kas­sia-Han­del inne. Eine ande­re Theo­rie sieht eine Ver­bin­dung zu sume­risch gazi (akka­disch kasû), das ein Gewürz bezeich­net und ver­schie­dent­lich als Zimt, Süß­holz oder Senf über­setzt wird.

Die Län­der Zen­tral­asi­ens (bis nach Nord­in­di­en) bezo­gen ihren Zimt tra­di­tio­nell aus Chi­na; bis heu­te wird zwi­schen chi­ne­si­schem und sri­lanka­ni­schem Zimt nur sel­ten unter­schie­den. Statt­des­sen bezeich­net man bei­de Gewür­ze mit einem Aus­druck, der wört­lich chi­ne­si­sches Holz“ bedeu­tet, z. B. Ben­ga­li dar­chi­niদাড়চিনি, Hin­di dal chi­niदालचीनी, Pun­ja­bi dal chi­niਦਾਲ ਚਿਨੀ, Pash­to dol chi­niدال چينى und Far­si dar­chinدارچین. (davon auch arme­nisch dar­chinդարչին). Der ers­te Wort­be­stand­teil dar/dal bedeu­tet dabei Holz“. Heu­te in Indi­en oder Zen­tral­asi­en gehan­del­ter Zimt kann trotz des nach Chi­na wei­sen­den Namens chi­ne­si­scher oder sri­lanka­ni­scher Her­kunft sein, und auch Ver­fäl­schun­gen mit in Indi­en hei­mi­schen Cin­na­momum-Spe­zi­es kom­men vor, z. B. mit der Rin­de des Baums, der die indi­schen Lor­beer­blät­ter lie­fert.

Auch ande­re, damit nicht ver­wand­te Spra­chen über­nah­men das per­si­sche Wort, z. B. kasa­chisch dar­shinдаршин, tür­kisch tar­çın, türk­me­nisch dalçyn, aser­bai­dscha­nisch dar­çın, ara­bisch ad-dar­sinالدارسين und geor­gisch dari­chi­niდარიჩინი. Dabei sind sich die Spre­cher der ori­gi­na­len Wort­be­deu­tung nicht bewußt, weil in ihrer Spra­che das ers­te Ele­ment kei­ne Asso­zia­ti­on zu Holz“ trägt (im Ara­bi­schen heißt dar zufäl­li­ger­wei­se Land“). Auch die Ver­bin­dung zu Chi­na ist offen­bar undurch­sich­tig und wird durch Lau­tän­de­run­gen oder Ortho­gra­phie zusätz­lich ver­schlei­ert: So heißt Chi­na auf Ara­bisch zwar recht ähn­lich as-sinالصين, ver­wen­det aber einen ande­ren Laut (und Buch­sta­ben) für das S; und im Tür­ki­schen ver­birgt die dem per­si­schen Lehn­wort auf­ge­präg­te Vokal­har­mo­nie den Zusam­men­hang mit Chi­na (tür­kisch Çin).

In den meis­ten indi­schen Spra­chen fin­det man Namen vom Typ dal­chi­ni, aber eini­ge süd­in­di­sche Spra­chen benen­nen Zimt mit einem Wort, des­sen Ver­wand­te in ande­ren Spra­chen die Gewürz­nel­ke bezeich­nen, z. B. Tamil ila­van­gamஇலவங்கம்.

Wo kommt jetzt nun das sin­gha­le­si­sche Wort für කුරුඳු – Kurun­du – Zimt her?

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