Münzen der VOC

Pfeffersäcke

Gewürz­händ­ler grün­de­ten 1602 in Hol­land die ers­te moder­ne Akti­en­ge­sell­schaft der Welt.

1595 segel­te die ers­te nie­der­län­di­sche Flot­te um das Kap der guten Hoff­nung nach Nie­der­län­disch-Indi­en, dem heu­ti­gen Indo­ne­si­en. Zwi­schen­sta­ti­on war Cey­lon. Das Ziel war es, mög­lichst voll­be­la­den mit wert­vol­len exo­ti­schen Gewür­zen zurück­zu­keh­ren. Die Flot­te war erfolg­reich und der Gewürz­han­del ent­wi­ckel­te sich schnell zu einem ein­träg­li­chen Geschäft.

Spilbergen trifft König Vimaladharma Sooriya 1602
Jor­is van Spil­ber­gen trifft König Vimalad­har­ma Soo­riya von Kan­dy, 1602

P.S.: die ers­ten ca. 6 Kilo­gramm Pfef­fer („AEG“) sind geern­tet!

Bereits gegen Ende des 16. Jahr­hun­derts schick­ten die nie­der­län­di­schen Pfef­fer­sä­cke“ jähr­lich bis zu 70 Schif­fe nach Indo­ne­si­en und Cey­lon. Um 1620 mach­te Pfef­fer rund 56 Pro­zent und ande­re Gewür­ze rund 17 Pro­zent der Waren aus, die von den nie­der­län­di­schen Kauf­leu­ten nach Euro­pa zurück­trans­por­tiert wur­de. Finan­ziert wur­den die­se Flot­ten von soge­nann­ten Kom­pa­ni­en. Nach Abschluss einer Expe­di­ti­on wur­de der Gewinn jeweils unter den Betei­lig­ten auf­ge­teilt und die Gesell­schaft wie­der auf­ge­löst. 

Die Nie­der­län­di­sche Ost­in­di­en-Kom­pa­nie (nie­der­län­disch: Veree­nig­de Oost­in­di­sche Com­pa­gnieVeree­nig­de Geoc­troye­er­de Oost­in­di­sche Com­pa­gnie, abge­kürzt VOC genannt, war eine Ost­in­di­en-Kom­pa­nie, zu der sich am 20. März 1602 nie­der­län­di­sche Kauf­manns­kom­pa­ni­en zusam­men­schlos­sen, um die Kon­kur­renz unter­ein­an­der aus­zu­schal­ten. Die VOC erhielt vom nie­der­län­di­schen Staat Hoheits­rech­te (Kriegs­füh­rung, Fes­tungs­bau, Land­er­werb) und Han­dels­mo­no­po­le. Sie war eine der größ­ten Han­dels­un­ter­neh­mun­gen des 17. und 18. Jahr­hun­derts und hat­te ihren Haupt­sitz in Ams­ter­dam und Mid­del­burg.

1602 grün­de­ten eini­ge der gröss­ten Gesell­schaf­ten die nie­der­län­di­sche Ost­in­di­en-Kom­pa­nie. Durch den Zusam­men­schluss woll­ten sie die hohen Inves­ti­tio­nen für den Bau der Flot­te finan­zie­ren und die hohen Risi­ken brei­ter streu­en. Um das anvi­sier­te hohe Kapi­tal zusam­men­zu­brin­gen, luden die 17 Grün­der erst­mals auch wohl­ha­ben­de Kauf­leu­te, Pro­vin­zen und Städ­te ein, sich in Form von Antei­len an der Gesell­schaft zu betei­li­gen. Die­se Antei­le konn­ten – und das war der Clou an der Sache – an der Bör­se gehan­delt wer­den. Den Anle­gern war es dadurch mög­lich, ihre Inves­ti­ti­on bereits vor dem Abschluss der Rei­se wie­der flüs­sig zu machen, ohne dass die Kom­pa­nie das Kapi­tal zurück­zah­len und wie­der auf­neh­men muss­te. Wegen die­ser Han­del­bar­keit gilt die Ost­in­di­en-Kom­pa­nie als ers­te ech­te Publi­kums-Akti­en­ge­sell­schaft moder­nen Typs. Klu­ger­wei­se hat­ten sich die Grün­der auf vie­len ost­in­di­schen Inseln ein Han­dels­mo­no­pol von der nie­der­län­di­schen Regie­rung gesi­chert. Die Anle­ger erhiel­ten des­halb fürst­li­che Divi­den­den auf ihr Kapi­tal und der Akti­en­kurs stieg bis auf das 12-fache des Aus­ga­be­prei­ses.

Obwohl schon bald ers­te Nach­ah­mer­ge­sell­schaf­ten ent­stan­den, konn­ten die Nie­der­län­der knapp 200 Jah­re von ihrem Vor­sprung pro­fi­tie­ren. Aber schon damals räch­te es sich, nicht mit der Zeit zu gehen: Ende des 17. Jahr­hun­derts waren statt Gewür­zen, auf die die Kom­pa­nie ein Mono­pol hat­te, zuneh­mend Güter wie Tee, Sei­de und Por­zel­lan gefragt. Die Gewin­ne waren rück­läu­fig und die Pro­ble­me der VOC wur­den durch die außen­po­li­ti­schen Ereig­nis­se ver­stärkt. Eine zwei­te Gesell­schaft ist in die­sem Zusam­men­hang untrenn­bar mit der Geschich­te der V.O.C. ver­bun­den: die eng­li­sche East-India Com­pa­ny. Sie besaß schon im Jahr 1600 ein Pri­vi­leg der eng­li­schen Kro­ne, wur­de aber erst 1613 eine Akti­en­ge­sell­schaft.

1798 führ­ten die stär­ke­re Kon­kur­renz, der Krieg mit Eng­land sowie die gras­sie­ren­de inter­ne Kor­rup­ti­on zur Auf­lö­sung der Kom­pa­nie. Denn schon seit der Grün­dung herrsch­te inner­halb der Com­pa­gnie Kor­rup­ti­on und eine Selbst­be­die­nungs­men­ta­li­tät vor allem der obe­ren Rän­ge der ein­zel­nen Han­dels­nie­der­las­sun­gen, die das Ams­ter­da­mer (und Mid­del­bur­ger) Mut­ter­haus einen Groß­teil der Gewin­ne gekos­tet haben dürf­te. Des­halb wur­de das Com­pa­gnie­si­gnet VOC auch mit ver­ga­an onder cor­rup­tie (Unter­gang durch Kor­rup­ti­on) auf­ge­löst. Die wei­ten Ent­fer­nun­gen, die (aus nie­der­län­di­scher Sicht) rechts­frei­en Räu­me der ost­in­di­schen Gebie­te und die Anfor­de­rung an das Cha­rak­ter­pro­fil des Füh­rungs­per­so­nals – wor­in nebst Her­kunft vor allem Macht­in­stinkt oder Durch­set­zungs­ver­mö­gen, kaum aber Red­lich­keit eine Rol­le gespielt haben dürf­ten – begüns­tig­ten die­se Ent­wick­lung.

Holländer in ihren Kolonien - Schouwten

Die Com­pa­gnie, die das ris­kan­te Unter­neh­men wäh­rend drei­er Krie­ge mit dem bri­ti­schen Empi­re (Ers­ter Eng­lisch-Nie­der­län­di­scher See­krieg von 1652 bis 1654, Zwei­ter Eng­lisch-Nie­der­län­di­scher See­krieg von 1665 bis 1667 und Drit­ter Eng­lisch-Nie­der­län­di­scher See­krieg von 1672 bis 1674) den Ärmel­ka­nal zu durch­schif­fen, auf sich genom­men und nicht nur über­stan­den, son­dern sich der­weil sogar zur größ­ten Han­dels­un­ter­neh­mung der Welt ent­wi­ckelt hat­te, begann nun unter dem Vier­ten Krieg 1780–1784 deut­lich zu lei­den: Die Retour-Flot­ten aus Asi­en konn­ten ihre euro­päi­schen Hei­mat­hä­fen nicht mehr anlau­fen, ent­spre­chend fan­den kei­ne Waren-Auk­tio­nen mehr statt. Zudem ver­lor die durch ver­lust­rei­che Jah­re finan­zi­ell nur noch dünn aus­ge­stat­te­te Com­pa­gnie nun auch ihre Kre­dit­wür­dig­keit. Das Schick­sal der VOC wur­de aber erst mit dem Ein­marsch der Fran­zo­sen in den Nie­der­lan­den besie­gelt.

Bereits 1791 sah man sich gezwun­gen, einen Unter­su­chungs­aus­schuss unter Feder­füh­rung des Erb­statt­hal­ters ein­zu­set­zen, jedoch ohne dass wesent­li­che Erfol­ge erzielt wer­den konn­ten. Am 12. Sep­tem­ber 1795 stell­te die nach der Revo­lu­ti­on gebil­de­te pro­vi­so­ri­sche Volks­ver­tre­tung die Com­pa­gnie unter Staats­ver­wal­tung. 1796 gab es noch einen kur­zen Ver­such, der Ver­knüp­fung mit dem Schick­sal der Nie­der­lan­de durch die Grün­dung der Bata­vi­schen Repu­blik zu ent­kom­men – aus dem Direk­to­ri­um der VOC wur­de das Comité tot de zaken van de Oost-Indi­sche han­del en bezit­tin­gen (Komi­tee für Ange­le­gen­hei­ten im Zusam­men­hang mit Ost­in­di­schem Han­del und Besitz). Der Schritt, der (sofern er je hät­te erfolg­reich sein kön­nen) zu spät erfolg­te, konn­te aber den Unter­gang der VOC nicht mehr ver­hin­dern: am 17. März 1798 wur­de die Veree­nig­de Oost­in­di­sche Com­pa­gnie, vier Jah­re vor ihrem zwei­hun­dert­jäh­ri­gen Bestehen, auf­ge­löst.

Und schon damals muss­te bei einem sol­chen gro­ßen Kon­kurs die öffent­li­che Hand ein­sprin­gen: die auf­ge­lau­fe­nen Schul­den der Gesell­schaft wur­den näm­lich groß­zü­gi­ger­wei­se vom nie­der­län­di­schen Staat über­nom­men und ihre ver­blie­be­nen Besit­zun­gen wur­den Eigen­tum der Nati­on.

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