S.L.A.S.C.

Fußballtraining und Essen bei der GTZ in Freetown, Sierra Leone

Der Sin­gle Leg Ampu­tee Sport Club (SLASC) wur­de zum Ende des Bür­ger­kriegs in Sier­ra Leo­ne gegrün­det. SLASC führt ein umfas­sen­des Fuß­ball­pro­gramm für Ampu­tier­te durch, das regel­mä­ßi­ge Trai­nings­ein­hei­ten und ein Phy­sio­the­ra­pie­an­ge­bot umfasst. Neben der Teil­nah­me an loka­len und inter­na­tio­na­len Tur­nie­ren bie­tet das Pro­gramm auch Unter­stüt­zung in den Berei­chen Bil­dung, Mikro­un­ter­neh­men und Rechts­bei­stand. SLASC küm­mert sich um Trauma­be­hand­lung, för­dert Frie­den und hilft Men­schen mit ampu­tier­ten Glied­ma­ßen bei der Reinte­gra­ti­on in die Gesell­schaft. Zur­zeit gibt es sechs Fuß­ball­mann­schaf­ten im gan­zen Land, die in der Natio­na­len Ampu­tee Foot­ball League spie­len. Eine Natio­nal­mann­schaft spielt auch bei inter­na­tio­na­len Tur­nie­ren mit. Gespielt wird mit Krü­cken aber ohne Pro­the­sen.

Quel­le: streetfootballworld.org

Jeden Sonn­abend­vor­mit­tag trifft sich die Grup­pe der ein­bei­ni­gen Fuß­ball­spie­ler am Lum­ley Beach zum Trai­ning. Das Trai­ning ist rau, dis­zi­pli­niert und schnell. Trai­ner Kamoh kennt kei­ne Gna­de! Knapp zwei Stun­den wird geübt: ein Trai­ning, das genau­so aus­sieht wie ein Trai­ning von Her­tha. Anschlie­ßend wird noch ein kur­zes Match gespielt. Im bes­ten Fall haben bei­de Mann­schaf­ten jeweils 7 Män­ner; die Feld­spie­ler haben nur ein Bein, dür­fen kei­ne Pro­the­se tra­gen, die Tor­hü­ter haben nur einen Arm: Seit Anfang der Acht­zi­ger gibt es fest­ge­leg­te Regeln für Ampu­tier­ten-Fuß­ball. Das Kla­ckern der Krü­cken ist zu hören, wenn die Spie­ler der Leder­ku­gel hin­ter­her­ja­gen. Die Jungs  spie­len schnel­le Päs­se, der Geg­ner kommt kaum hin­ter­her bei dem Tem­po. Mit enor­mer Geschick­lich­keit stop­pen die Spie­ler hohe Bäl­le aus der Luft, wie Kunst­tur­ner stüt­zen sie sich dabei von den Krü­cken ab. Ein Heber von Abdul­lay trifft beim ers­ten Ver­such nur den Pfos­ten, doch der nächs­te Schuss zap­pelt im lan­gen Eck: Gooo­al!“, brüllt er. Die jun­gen Män­ner aus Free­town sind kei­ne bemit­lei­dens­wer­ten Kriegs­ver­sehr­ten, son­dern Sport­ler mit viel Selbst­ver­trau­en. Man könn­te an die­sem son­ni­gen Vor­mit­tag  glau­ben, Fuß­ball sei erfun­den wor­den, um Traum­a­pa­ti­en­ten zu kurie­ren. Zu Hau­se in Städ­ten wie Free­town, Make­ni und Bo müs­sen eini­ge Spie­ler bis heu­te bet­teln, um zu über­le­ben. Die Mehr­zahl fand inzwi­schen dank des Clubs eine Aus­bil­dungs­stel­le oder konn­te mit Mikro­kre­di­ten aus der Mann­schafts­kas­se mit der Fami­lie ein klei­nes Geschäft eröff­nen. Es gibt selbst für Gesun­de wenig Jobs in dem Land, war­um soll­te es für uns wel­che geben?“, fragt Joseph, dem ein Dar­lehn zu einem Stu­di­um ver­hilft. Nach dem Trai­ning haben wir die Jungs zum Lunch ein­ge­la­den. Schnell sind die nöti­gen Fahr­ge­le­gen­hei­ten zum GTZ-Grund­stück orga­ni­siert. Nach einem aus­führ­li­chem Bade- und Dusch­spaß auf dem Hof des weit­läu­fi­gen Gelän­des der GTZ in Free­town geht es zum Lunch. Die Köchin der GTZ-Kan­ti­ne hat ein rie­si­ges Buf­fet her­ge­rich­tet und rund 40 hung­ri­ge Spie­ler war­ten auf den Start­schuss. Andre­as spricht eini­ge Wor­te und dann geht es auch schon los…

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